Die Gedankenpolizei – ein gelungenes Debüt

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Nachdem der Entwurf zu diesem Buch 6 Jahre vor sich hin schlummerte, hat Thomas Dobrokovsky diesen Thriller in 2 weiteren Jahren realisiert und nun über BoD veröffentlicht. Das Ergebnis ist ein gelungenes Debüt, dem ich gerne 4 Sternen gebe. Das Cover gefällt mir außerordentlich, macht neugierig und taugt als Hingucker auf den Büchertischen der Buchhandlungen. Die Gestaltung des Textes ist durch die Einteilung in viele Kapitel und das aufgelockerte Textbild übersichtlich und somit gut zu lesen. Die Sprache ist eingängig und verständlich, weder Bandwurmsätze noch sich wiederholende Phrasen. Die Story: Zwei Freunde sind einer geheimen Organisation auf der Spur und geraten durch ihre Nachforschungen in eine immer bedrohlicher werdende Lage. Neben ihrer Sichtweise wird auch aus Sicht der diversen Agenten und eines Videoanalysten erzählt. Letzterer gerät ebenfalls in große Schwierigkeiten. Mehr möchte ich zum Inhalt nicht verraten, dazu soll ja das Buch gelesen werden. Die Themen Gedankenpolizei, Erinnerungen löschen, Agenten, totale Überwachung etc. wurden schon vielfach behandelt. Matrix und MiB fallen einem spontan ein und es gibt weitaus mehr Film- und Buchvorlagen in dieser Richtung. Trotzdem hat der Autor hier seine eigene Welt in diesem Genre geschaffen. Gefallen hat mir die Schilderung der Handlung aus wechselnden Perspektiven. Zu Beginn haderte ich etwas mit einigen aufgesetzt wirkenden Schilderungen von Liebeszenen, so dass ich schon überlegte, wohin der Autor mit seinem Buch möchte: Ausschließlich ein Thriller? Doch dieser Eindruck verflog schnell und das Lesevergnügen nahm stetig zu. Eine kleine Einschränkung noch: Gern hätte ich nähere Details und Hintergründe zum Aufgabenfeld der Gedankenpolizei gelesen. So bleibt offen, wer sie mit welchem konkreten Vorhaben steuert. Letztlich war es aber für das Lesen nicht relevant. Das Buch munterte geradezu dazu auf, es stetig zu lesen und nicht zur Seite zu legen. Die Freunde Zack und Timothy geraten als „Normalos“ immer tiefer in den Abgrund, die Spannung steigt und insbesondere das letzte Drittel des Buches war klasse. Es endet fulminant, wird manchen Leser überraschen und diejenigen enttäuschen, die gern ein Happy End gelesen hätten. Habe ich zuviel verraten? Nein, ich denke nicht, zu naheliegend ist es doch, dass so ein Thema nicht mit einem „und alles wird gut“ endet. Der Autor kann stolz auf sein Debüt sein, denn herausgekommen ist ein Buch, dass ich gern – ab der Hälfte sehr gern – gelesen habe. Knapp 50 Seiten vor dem Ende habe ich bedauert, dass ich bald fertig bin. Ich finde, dass ist die 4 Sterne wert.

Peter Futterschneider Die Gedankenpolizei 1. Oktober 2017